Vorstellung

In den ersten Jahrzehnten des XVIII Jahrhunderts, in einem brillante Florenz, nach mehr als zwei Jahrhunderte freiheitsfeindlicher Untertänigkeit, die mit Cosimo III de' Medici einen Schluß gefunden hatte, folgte die Leienregenschaft der Lorena nach, die für Mentalität und Sinn Mühe macht, sich durchzusetzen.
In dieser Phase, in welcher der Adel und der gebildete Stand die Rückgewinnung der vom Granducato verdorbene Vorrechte versuchen, versucht die kuriale Mobilmachung, mit einem Epigone kirchlicher Polizei, am Anbruch die neue Formen des religiösen Einspruchs einzudämmen, die von der kulturelle florentinische Anglophilie, welche sich genau mit der Gründung der erste toscanische Freimauerloge ausdrückt, eingeleitet war.
Und genau in diesem Zusammenhang erneuernde Spannungen und kulturelle Lebhaftigkeit der junge Tommaso Crudeli, mit freiem und nonkonformistischem Geist, passt sich nicht zu einem von integralistischen Starrheit auferlegten Leben an.
Seine ungezähmte Bewegung kennt keine Vorsicht, und seine beissende Zunge verpasst keine Gelegenheit, um den Gegner zu schlagen: er wirdt Bewachte oder, aus der Leienseite gesehen, ein freier Geist.
Er wird von Leute hoher Kultur und erheblicher sozialen Lage hinzugewählt und wirdt der Koordinator der freimaurerische Bewegung.
Seine Peitschfhigkeit und kulturelle Scharfsinn schreckt die kirchliche Macht, die mit Verspätung und ungeschickt reagiert, um seine absolutistische Entschiedenheit wieder zu beteuern.
Die Inquisition verhaftet ihn, sucht Anklagepunkte, verurteilt ihn, nötigt von ihm eine Abschwrung ab, begändigt ihn und verbannten ihn; schließlich eine Angelegenheit, die von unerheblichen Verdachten, halben Geständnisse und Widerrufe manchen untreuen Zeuge abgestützt war, deren Folge nur und unwiederruflich von Tommaso bezahlt wurden, der im Hausarrest in der Arnotal, genau vor 250 Jahren, starb.
Aber sein Martyrium war nicht vergeblich.
Nach seinem Fall hoben die Lorena das toskanische Inquisitionsgericht auf.
Ehre an Tommaso, Apostel der Freiheit.
Von Tommaso wird es ein Gespräch zwischen zwei Nachkommen gelesen.

 

Virgilio Gaito
Großmeister
des Grande Oriente d'Italia
Palazzo Giustiniani

 
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